Deutscher Kinderschutzbund

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Prof. Dr. Martin Wazlawik referierte zum Thema Sexuelle Gewalt - ein Teil menschlichen Zusammenlebens

Odenwaldschule und katholische Kirche - das sind nur zwei Beispiele dafĂŒr, dass spĂ€testens seit dem Jahr 2010 das Thema sexueller Missbrauch aus der Tabuzone herausgeholt worden ist. Endlich wagen Menschen ĂŒber das zu sprechen, was ihnen angetan wurde. Und es wird deutlich, was tagtĂ€glich viele Kinder und Jugendliche ertragen mĂŒssen. Endlich sieht man hin, versucht Maßnahmen gegen das Unrecht zu ergreifen. Und hört zu.

So wie jetzt Dutzende von Zuhörern, die auf Einladung des Kinderschutzbundes im Kreis Soest den Vortrag von Prof. Dr. Martin Wazlawik von der Uni MĂŒnster lauschten. Titel: „Kinder schĂŒtzen! - PrĂ€vention, Intervention und Kooperation bei sexueller Gewalt!" Bewusst hatte sich der Soester Kinderschutzbund entschieden, dieses Thema im Rahmen seiner Mitgliederversammlung zu wĂ€hlen. Der Vorsitzende Hans Meyer sagt: „Alleine im Kreis Soest werden etwa 250 FĂ€lle im Jahr der Polizei, den JugendĂ€mtern, den GesundheitsĂ€mtern bekannt - und dies ist offensichtlich nur die Spitze des Eisbergs." Der Referent bestĂ€tigte dies: „MissbrauchsfĂ€lle sind bei weitem keine EinzelfĂ€lle. Sie kommen oft vor, und wir mĂŒssen sie als Teil menschlichen Zusammenlebens annehmen." Man mĂŒsse sich erlauben, denken zu dĂŒrfen und ja zu sagen, dass es sexuelle Gewalt gibt und zwar auch im eigenen Umfeld.

Denn daher kĂ€men die TĂ€ter in der Regel.Unter diesem Blickwinkel mĂŒsse man sich damit auseinandersetzen, dass Eltern, Verwandte, Pfleger, Freizeitleiter usw. durchaus potenzielle TĂ€ter sein könnten, so der Referent. Und dass auch Jugendliche unter 21 Jahren oftmals Missbraucher seien, wie Martin Wazlawik an einem Beispiel aus einer Ferienfreizeit festmachte. Die GrĂŒnde dafĂŒr, warum jemand so etwas tut, seien vielfĂ€ltig. Immer aber wĂŒsste derjenigen, was er da macht. Die Debatte ĂŒber sexuelle Gewalt habe natĂŒrlich auch fĂŒr große Unsicherheit gesorgt. Heute hĂ€tten zum Beispiel viele mĂ€nnliche Erzieher Angst, sich falsch zu machen, wenn sie mal ein Kind auf den Schoß nehmen wĂŒrden. Der Referent appellierte daran, zwar wachsam zu sein, aber nicht hinter jeder Ecke einen TĂ€ter zu vermuten.

Dass Kinder vor sexueller Gewalt geschĂŒtzt werden mĂŒssten, sei keine Frage. Martin Wazlawik: „Ohne sich sicher zu fĂŒhlen, ist keine soziale oder emotionale Entwicklung möglich." Missbrauch zu erkennen, sei allerdings sehr schwierig: „Es gibt keine Symptome." Und die Opfer schwiegen meistens, weil sie den TĂ€ter schĂŒtzen wollten. Aus Scham oder aus LoyalitĂ€t. Aber man mĂŒsse Betroffenen Hilfe und die Möglichkeit geben, sich zu öffnen.

Wie die dann aussehen kann, darauf hatte der Professor auch eine Antwort. Zum Beispiel durch ein flĂ€chendeckendes Netz an Beratungsangeboten fĂŒr Kinder, Jugendliche - und auch fĂŒr MĂ€nner. Außerdem mĂŒssten pĂ€dagogische FachkrĂ€fte fĂŒr das Thema sensibilisiert werden, beispielsweise durch Fortbildungen und Handlungsanweisungen, auch brĂ€uchten sie kinderschutzorientierte PrĂ€ventionsmaßnahmen. Eltern riet Wazlawik, gesprĂ€chsbereit zu sein und das Kind ernst zu nehmen. Im Übrigen sei durch Öffentlichkeitsarbeit und AufklĂ€rung ein Beitrag zur Vermeidung und Verringerung der MissbrauchsfĂ€lle zu leisten.

Auszumerzen sei das Problem nicht, das werde es leider immer geben, glaubt er. Aber man könne versuchen, FÀlle zu vermeiden und Zahlen zu verringern.

Der Kinderschutzbund im Kreis Soest hat sich schon lĂ€ngst auf die Fahnen geschrieben, eine Fachberatungsstelle gegen sexuellen Missbrauch fĂŒr den Kreis Soest zu errichten. Dazu hat er ein Konzept erarbeitet, das er dem Jugendhilfeausschuss am 13. November vorstellen wird.

Den Vortrag von Prof. Dr. Wazlawik können Sie unter dem MenĂŒpunkt Download & Kontakt herunterladen.

Pressekontakt

Beatrix Neuhaus
0160 96365043
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